Sächsische Zeitung vom 31.01.13

Neuer Kindergarten für Ottendorf-Okrilla

Ein Dresdner Verein möchte eine christliche Kita eröffnen – und löst so ein großes Problem der Gemeinde.

Zunächst sind es nur Rechenspiele. Doch wenn das eintritt, was die klugen Köpfe im Ottendorfer Rathaus und beim Jugendamt des Landkreises errechnet haben, hat Ottendorf-Okrilla ein handfestes Problem. Denn die Eltern haben ab August 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz – den sie per Gesetz notfalls auch gerichtlich durchsetzen können.

In der Gemeindeverwaltung gehen die Verantwortlichen davon aus, dass wegen des zu erwartenden Andrangs etwa 30 Plätze im Krippenbereich fehlen werden. Mit zusätzlichen Tagesmüttern allein wird das nicht abzufangen sein. Doch für das Dilemma deutet sich bereits jetzt eine Lösung an.

Eine Gruppe von Eltern hat sich zu einer Initiative zusammengeschlossen – mit dem Ziel eine neue Kindertagesstätte in freier Trägerschaft errichten zu wollen. Ein Novum in der Großgemeinde, denn die vier bislang existierenden Einrichtungen befinden sich allesamt in kommunaler Hand. Ein Umstand, den die Eltern mit ihrer Idee von der neuen Kindertagesstätte bewusst etwas entgegen setzen wollen.

„Wir verfolgen ein etwas anderes Betreuungskonzept, wollen eine Einrichtung mit christlichen Bezügen etablieren“, sagt Anne Schwager, die mit anderen Eltern aus Ottendorf, aber auch umliegenden Gemeinden die Initiative vor einem Jahr ins Leben gerufen hatte. Mit ihrem Konzept als Alternative zu den kommunalen Angeboten hoffen sie und ihre Mitstreiter, in der Großgemeinde auf reges Interesse zu stoßen. Denn Eltern, die Wert auf eine christliche Betreuung ihrer Kinder legen, hatten es in Ottendorf-Okrilla bislang schwer. Zwar gibt es im benachbarten Weixdorf mit der Kita „Himmelsschlüssel“ eine evangelische Einrichtung – doch wegen der akuten Nachfrage in Dresden bleibt diese Einrichtung fast ausnahmslos Kindern aus der Landeshauptstadt vorbehalten.

Die Ottendorfer Initiative kam rasch mit dem Dresdner Verein Startblock in Kontakt. Der ist einst ebenfalls aus einer Gruppe von Eltern hervorgegangen, die auch in Dresden einen christlichen, allerdings auch überkonfessionellen Kindergarten gründen wollten. Vor sieben Jahren eröffnete der Verein im Stadtteil Pieschen die Kita Leuchtturm – eine Einrichtung, in der die Betreuer sehr auf die Vermittlung christlicher Werte achten, wie Vereinschefin Naemi Binder erklärt.

Statt selbst einen Trägerverein zu gründen, einigten sich die Ottendorfer Eltern mit den Mitgliedern vom Startblock-Verein darauf, dass die Dresdner künftig auch in der Großgemeinde als Träger der neuen Kita fungieren. „Das erspart uns viel Arbeit, was uns am Ende auch noch Zeit gekostet hätte“, sagt Anne Schwager. Bereits Mitte 2014 – so der ehrgeizige Plan – könnte die neue Kita in Ottendorf-Okrilla ihre Pforten öffnen. Wo genau die Einrichtung entstehen wird, ist aber noch offen.

„Wir streben einen zentralen Ort in der Gemeinde an, sind bei der Suche nach einem Gelände aber auch vom Investor für das Gebäude abhängig“, erklärt Grit Wehner vom Verein Startblock. Denn der Verein will das Gebäude nicht selbst errichten, sondern sich lediglich in ein Gebäude einmieten. Ein übliches Modell, auf das auch kommunale Träger in Sachsen oft zurückgreifen. „Wir sind mit einem Investor bereits in Gesprächen, halten da aber weiter die Augen offen“, sagt Grit Wehner. Was der Verein nicht will, ist ein einfacher Zweckbau, in denen die Kinder zu wenig Freiräume zur Entfaltung haben.

Bei den Betreuungszeiten streben der Verein und die Initiative eine Ganztagsbetreuung an, zwischen 7 und 17 Uhr. Die Eltern sollen ihre Kinder aber nicht nur einfach für den Tag angeben können, sondern nach Möglichkeit selbst das Geschehen in der Einrichtung bereichern. „Wir denken da an Nachmittagsangebote, bei denen die Erwachsenen ehrenamtlich mitwirken“, erklärt Anne Schwager.

Bei der Gemeindeverwaltung stoßen die Pläne schon jetzt auf große Zustimmung. „Wir befürworten das Projekt sehr“, sagt Hauptamtsleider Udo Rößler. Durch das zusätzliche Angebot könne sich die Nachfrage in den anderen Einrichtungen entspannen, was nicht zuletzt auch eine bessere Betreuung ermögliche.